Info: Friedenskircherl

Friedenskircherl

Das Friedenskircherl

auch Stoderkircherl genannt ist eines der Highlight am Stoder.Das Kircherl ist von beiden Parkplätzen ca. 20 Minuten entfernt und eignet sich deshalb wunderbar im Sommer für einen kleinen Spaziergang am Stoder.

Das Friedenskircherl wurde vom Erschließer des Berges, Baron Ritter Emil von Horstig erbaut und befindet sich jetzt im Besitz der Bergrettung Gröbming, die somit auch die Erhaltung des Kircherls inne hat.
 

Friedenskircherl im Winter



Historischen Fakten über den Stoder:


1892 bis 1896

Erschließung des Stoders durch Emil Ritter von Horstig – anfangs wurde von Häftlingen ein Karrenweg errichtet

1892 bis 1906
Kohlenbergbau am Stoderzinken

1902
Erbauung der Friedenskirche, Besuch Peter Roseggers

1958 bis 1962
Bau der Stoderstraße

Ab 1962
Errichtung mehrerer Liftanlagen und Beginn der Schischule

2002
Sanierung der Stoder-Hochalpenstraße; ab diesem Zeitpunkt besteht Mautfreiheit
 



Geschicht über den Stoder


„Griaß di und Bergheil! Nicht dass du dich wunderst, warum ich dich gleich duze. Aber weißt du, ich habe in den vielen Jahrtausenden meines Bestehens schon so viel miterlebt und vor allem schon so viele kommen und gehen gesehen, dass ich mir diese Freiheit herausnehme.

Ich bin der Stoderzinken. Ein Name, den man mir vor geraumer Zeit gegeben hat. Viele sagen aber auch einfach ‚Stoder‘ zu mir. Mein Zuhause ist das Kemetgebirge. Dabei handelt es sich um eine verkarstete Hochfl äche, die in den nördlichen Kalkalpen liegt. Blicke ich in den Westen, kann ich meinen großen Nachbarn, den Dachstein sehen. Anders als in seinem Gebiet, ist meine Heimat fast zu Gänze von Fichten und Föhren bewachsen. Blicke ich Richtung Süden, sehe ich das Ennstal mit all seinen Wäldern, Äckern und Bächen unter mir. Nördlich von mir
liegt das Hochtal von Bad Mitterndorf und der Ödensee. Gleich neben mir steht der Kamm. Er ragt ganze 2.139 Meter in den Himmel. Ich muss zugeben, dass mein Nachbar größer ist als ich. Aber mit meinen 2.047 Metern, würde ich einmal meinen, dass ich auch nicht gerade der Kleinste bin. Es treibt, egal ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, immer viele Menschen zu mir herauf, um meinen Gipfel zu stürmen – vielleicht deshalb, weil ich von Gröbming aus gut erreichbar bin. Doch nicht, dass du jetzt glaubst, das war immer so!

Ich werde mich mit dir jetzt auf eine kleine Zeitreise begeben und dir vieles aus meiner Vergangenheit erzählen. Beginnen wir gleich mit der Notgasse: Sie ist eine Verbindung zwischen Gröbming und meinen höher gelegenen Almen. Sie wurde schon damals von Almleuten, Säumern und Arbeitern der Köhlerei benützt. Für meine Besucher birgt diese düstere Klamm mit bis zu 60 m hohen Felswänden und wundervollen Felsritzbildern auch heute noch etwas Geheimnisvolles und Mystisches. Die Felszeichnungen, die entlang dieses Der älteste Gröbminger. Weges in den weichen Kalk geritzt wurden, erinnern an eine längst vergangene Zeit. Schon Jäger und Sammler aus der Bronzezeit haben sich hier auf den Weg zu mir gemacht. Später, so erzählt man sich, nützten auch Schmuggler die Notgasse, um unentdeckt Salz ins Land der nördlichen Enns zu bringen.

Ob es diesen dubiosen Warenschmuggel tatsächlich gegeben hat, darüber hülle ich mich in Schweigen. Natürlich möchte ich dir keinesfalls vorenthalten, weshalb dieser Weg Notgasse getauft wurde: Hierfür gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Ursprünglich kommt dieser Name aus dem Keltischen und stammt vom Wort ‚hnod‘ ab, was soviel wie ‚heiliges Feuer‘ bedeutet. Zudem konnte ich beobachten, dass diese schmale, tief eingeschnittene, wasserlose Felsschlucht den Wanderern Unterschlupf bei drohender Gefahr bot. Darauf weisen auch viele der zahlreichen Ritzzeichnungen in den Felswänden entlang der Notgasse hin.

Im Laufe der Zeit begannen sich Bauern auf meinen fruchtbaren Almen niederzulassen und sie zu bewirtschaften. Noch heute werden sie von fleißigen Landwirten gepflegt. Die dunkelgrünen Wälder rund um mich dienten stets als Holzlieferanten. Mühsam wurden die Stämme aus dem Kemetgebirge durch die Öfen ins Tal transportiert.

Bis dahin führte ich also ein recht ruhiges Leben. Doch 1845 wurde mein Freund Emil Ritter von Horstig d’Aubigny, so hieß er mit vollem Namen, geboren. Seine Visionen sollten mein Schicksal verändern: Er widmete einen großen Teil seines Lebens meiner Erschließung. Zunächst setzte er sich in den Kopf, aus meinem Inneren Kohle zu fördern. Doch bald darauf musste er feststellen, dass die Gewinnung unrentabel war. Weiters schwebte ihm vor, meine Schönheit auch Urlaubsgästen zugänglich zu machen. Daher begann er 1895 mit dem Bau der ersten ‚Straße‘ – eigentlich war es mehr ein Ochsenkarrenweg.

1902 war ein besonders aufregendes Jahr für mich! Das Alpenheim und das berühmte Friedenskircherl, das heute noch den Weg zu meinem Gipfel ziert, wurden gebaut. Und ich bekam hohen Besuch: Der Heimatdichter Peter Rosegger war von meinem beeindruckenden Anblick so begeistert, dass er mir folgende Zeilen widmete: ‚Was soll ich schreiben in diesen Bergen voll Sonnenschein? Ich kann nur in Andacht schweigen und selig sein!‘ Darauf war ich so stolz, dass es mich gar nicht mehr gestört hat, nicht den höchsten Gipfel in der Region zu haben.

Dann verlor ich meinen Freund Horstig aus den Augen. Du kannst dir vorstellen, wie traurig ich darüber war. Doch 1931 erhielt ich eine Nachricht von ihm. Er war verstorben. Sein letzter Wille war es, dass seine Asche auf meinen steilen Hängen verstreut werden sollte. Der Baron wollte ‚ein Blümlein auf dem Stoderzinken‘ werden, ich habe ihm diesen Wunsch natürlich erfüllt, nach allem, was er für mich getan hat.

In den späten 1950er Jahren haben die Gröbminger unter der Führung von Franz Seebacher und Julius Steiner eine Straße gebaut. S either werde ich auch regelmäßig von Autos besucht, mit denen viele Urlauber kommen, um sich zu erholen und die gute Luft bei mir heroben zu atmen. Sie wandern in der artenreichen Flora und genießen den tollen Ausblick. Moderne Menschenvögel – ich glaube sie nennen sich Paragleiter, Drachenfl ieger – schätzen gute Flugbedingungen und eine schöne Kulisse. Wenn der Winter kommt, rutschen die Menschen mit ihren Schiern meine beschneiten Wiesen hinunter, und mit den Liften kommen sie immer wieder hoch zu meiner Spitze.

Ich bin froh, dass ich heute so viel Gesellschaft habe, denn auch wenn man gerne auf das schöne Ennstal hinunterschaut, ist es manchmal ein wenig einsam hier oben. In diesem Sinne, bis bald!“

(Quelle: aus dem Gröbminger-Buch)